PQC Quick Win 4: Die eigene Website auf hybrides TLS-KEM heben
In Quick Win 3 haben wir Browser auf den aktuellen Stand gebracht – damit ist die Hälfte einer hybriden TLS-Verbindung gesichert. Quick Win 4 schließt die andere Hälfte: Wir machen die eigene Website zur Gegenstelle, die hybrides ML-KEM tatsächlich anbietet. In vielen KMU ist das eine Sache von Minuten – wenn man weiß, wo man hinklicken oder welche Zeile man in die nginx-Konfiguration einfügen muss.
Drei Realitäten, drei Wege
Die meisten KMU-Websites laufen in einer von drei Konstellationen:
- Hinter einem CDN oder TLS-Terminator (typischerweise Cloudflare, gelegentlich Fastly, Akamai, AWS CloudFront). Hier wird TLS am Rand des Netzes terminiert – und das ist der bequemste Weg.
- Auf eigenem oder gemietetem Server mit modernem Reverse-Proxy (nginx, Caddy, Traefik, HAProxy). Hier liegt die TLS-Terminierung im eigenen Verantwortungsbereich.
- Auf einer Plattform-as-a-Service (Wix, Squarespace, Webflow, IONOS-Baukasten, Strato-Sitebuilder etc.). Hier hängen Sie an der TLS-Konfiguration des Anbieters – Quick Win 7 (“Cloud-Roadmaps einholen”) greift hier.
Wir nehmen die ersten beiden Wege durch.
Weg 1: Cloudflare und Co. – PQC mit einem Klick
Cloudflare unterstützt hybrides ML-KEM auf der Edge seit längerer Zeit produktiv, andere CDNs ziehen nach. In der Cloudflare-Konsole genügt in der Regel das Aktivieren der Post-Quantum-Option im SSL/TLS-Bereich. Was Sie zusätzlich tun sollten:
- Aktivierung dokumentieren (Datum, ausführende Person) in der Inventur-Tabelle.
- Mit pq.cloudflareresearch.com gegen die eigene Domain prüfen, dass hybride Verfahren wirklich ausgehandelt werden.
- Falls Sie noch klassische TLS-Inspektion auf Ihrer eigenen Seite hinter dem CDN haben (zwischen CDN und Origin): klären, ob die zweite Strecke ebenfalls hybridfähig ist (Cloudflare bietet “PQ to Origin” als Option).
Damit hat ein nicht unerheblicher Teil Ihres ausgehenden Web-Verkehrs vom Browser bis zum Edge des Cloud-Anbieters hybriden Schlüsselaustausch – ohne dass Sie eine Zeile Konfiguration auf dem Origin-Server geändert haben.
Weg 2: Eigener Server mit nginx und OpenSSL
Hier braucht es etwas mehr Hand, aber nicht viel mehr Zeit. Voraussetzung ist OpenSSL 3.5 oder höher – seit dieser Version sind ML-KEM und die hybriden Codepoints fest eingebaut, ohne externe Bibliothek. Distributionen wie Debian 13, Ubuntu 24.04 HWE/25.04 und aktuelle Enterprise-Linuxe liefern diese Generation aus.
Die wesentliche Konfigurationsänderung in nginx ist eine Zeile im server-Block:
ssl_protocols TLSv1.3;
ssl_conf_command Groups X25519MLKEM768:X25519:P-256;
Die Reihenfolge in Groups bestimmt die Präferenz: hybrides ML-KEM zuerst, dann klassische Verfahren als Rückfall. Damit ist nginx in der Lage, jede aktuelle Browser-Verbindung quantenresistent abzuwickeln und gleichzeitig kompatibel mit älteren Clients zu bleiben.
Für Caddy und Traefik gilt sinngemäß dasselbe – beide übernehmen die TLS-Gruppen aus dem darunterliegenden Krypto-Stack, sodass ein OpenSSL-3.5-fähiges Basissystem den Großteil der Arbeit erledigt.
Was Sie hinterher prüfen
Ein einmaliger Test ist Pflicht – ein erfolgreicher Handshake ist schnell behauptet, aber nicht garantiert:
- SSL Labs Server Test zeigt die ausgehandelten Gruppen und meldet hybride Codepoints.
openssl s_client -groups X25519MLKEM768 -connect ihre-domain:443auf einem aktuellen OpenSSL bestätigt, dass der Server die hybride Gruppe tatsächlich akzeptiert.- Logging: Eine Stichprobe der Zugriffslogs (sofern TLS-Gruppen-Logging aktiv ist) zeigt, welcher Anteil der echten Besucher die hybride Verbindung nutzt.
Was Sie diese Woche tun sollten
- Klären, in welcher der drei Konstellationen Ihre Website läuft.
- Bei Cloudflare oder vergleichbarem CDN die Post-Quantum-Option aktivieren und dokumentieren.
- Bei eigenem Webserver: OpenSSL-Version prüfen, ggf. Distribution aktualisieren, nginx/Caddy-Konfiguration anpassen.
- Mit SSL Labs und einem Browser-Test verifizieren, dass hybrides X25519MLKEM768 ausgehandelt wird.
- Ergebnis in der Inventur-Tabelle eintragen – diese Website ist ab heute mit “hybrid aktiv” markiert.
Fazit
Die eigene Website ist meist der erste Dienst, den ein Unternehmen vollständig in eigener Hand auf hybrides TLS-KEM heben kann. In den allermeisten Fällen ist das eine Frage von Minuten, in keinem Fall ein Projekt. Ab dieser Woche reden Browser und Ihre Domain quantenresistent miteinander – ein sichtbares, prüfbares Ergebnis Ihres Sprints.
Quellen
- Cloudflare – Post-Quantum Cryptography (Übersicht und Aktivierungsleitfaden) https://developers.cloudflare.com/ssl/post-quantum-cryptography/
- OpenSSL 3.5 – Release Notes (integriertes ML-KEM und Hybrid-Gruppen) https://github.com/openssl/openssl/blob/master/NEWS.md
- nginx Dokumentation – ssl_ecdh_curve / ssl_conf_command https://nginx.org/en/docs/http/ngx_http_ssl_module.html
- IETF draft-kwiatkowski-tls-ecdhe-mlkem – Codepoint X25519MLKEM768 https://datatracker.ietf.org/doc/draft-kwiatkowski-tls-ecdhe-mlkem/
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