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· Claus Lindemann

PQC Quick Win 4: Die eigene Website auf hybrides TLS-KEM heben

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PQC Quick Win 4: Die eigene Website auf hybrides TLS-KEM heben

In Quick Win 3 haben wir Browser auf den aktuellen Stand gebracht – damit ist die Hälfte einer hybriden TLS-Verbindung gesichert. Quick Win 4 schließt die andere Hälfte: Wir machen die eigene Website zur Gegenstelle, die hybrides ML-KEM tatsächlich anbietet. In vielen KMU ist das eine Sache von Minuten – wenn man weiß, wo man hinklicken oder welche Zeile man in die nginx-Konfiguration einfügen muss.

Drei Realitäten, drei Wege

Die meisten KMU-Websites laufen in einer von drei Konstellationen:

  • Hinter einem CDN oder TLS-Terminator (typischerweise Cloudflare, gelegentlich Fastly, Akamai, AWS CloudFront). Hier wird TLS am Rand des Netzes terminiert – und das ist der bequemste Weg.
  • Auf eigenem oder gemietetem Server mit modernem Reverse-Proxy (nginx, Caddy, Traefik, HAProxy). Hier liegt die TLS-Terminierung im eigenen Verantwortungsbereich.
  • Auf einer Plattform-as-a-Service (Wix, Squarespace, Webflow, IONOS-Baukasten, Strato-Sitebuilder etc.). Hier hängen Sie an der TLS-Konfiguration des Anbieters – Quick Win 7 (“Cloud-Roadmaps einholen”) greift hier.

Wir nehmen die ersten beiden Wege durch.

Weg 1: Cloudflare und Co. – PQC mit einem Klick

Cloudflare unterstützt hybrides ML-KEM auf der Edge seit längerer Zeit produktiv, andere CDNs ziehen nach. In der Cloudflare-Konsole genügt in der Regel das Aktivieren der Post-Quantum-Option im SSL/TLS-Bereich. Was Sie zusätzlich tun sollten:

  • Aktivierung dokumentieren (Datum, ausführende Person) in der Inventur-Tabelle.
  • Mit pq.cloudflareresearch.com gegen die eigene Domain prüfen, dass hybride Verfahren wirklich ausgehandelt werden.
  • Falls Sie noch klassische TLS-Inspektion auf Ihrer eigenen Seite hinter dem CDN haben (zwischen CDN und Origin): klären, ob die zweite Strecke ebenfalls hybridfähig ist (Cloudflare bietet “PQ to Origin” als Option).

Damit hat ein nicht unerheblicher Teil Ihres ausgehenden Web-Verkehrs vom Browser bis zum Edge des Cloud-Anbieters hybriden Schlüsselaustausch – ohne dass Sie eine Zeile Konfiguration auf dem Origin-Server geändert haben.

Weg 2: Eigener Server mit nginx und OpenSSL

Hier braucht es etwas mehr Hand, aber nicht viel mehr Zeit. Voraussetzung ist OpenSSL 3.5 oder höher – seit dieser Version sind ML-KEM und die hybriden Codepoints fest eingebaut, ohne externe Bibliothek. Distributionen wie Debian 13, Ubuntu 24.04 HWE/25.04 und aktuelle Enterprise-Linuxe liefern diese Generation aus.

Die wesentliche Konfigurationsänderung in nginx ist eine Zeile im server-Block:

ssl_protocols TLSv1.3;
ssl_conf_command Groups X25519MLKEM768:X25519:P-256;

Die Reihenfolge in Groups bestimmt die Präferenz: hybrides ML-KEM zuerst, dann klassische Verfahren als Rückfall. Damit ist nginx in der Lage, jede aktuelle Browser-Verbindung quantenresistent abzuwickeln und gleichzeitig kompatibel mit älteren Clients zu bleiben.

Für Caddy und Traefik gilt sinngemäß dasselbe – beide übernehmen die TLS-Gruppen aus dem darunterliegenden Krypto-Stack, sodass ein OpenSSL-3.5-fähiges Basissystem den Großteil der Arbeit erledigt.

Was Sie hinterher prüfen

Ein einmaliger Test ist Pflicht – ein erfolgreicher Handshake ist schnell behauptet, aber nicht garantiert:

  • SSL Labs Server Test zeigt die ausgehandelten Gruppen und meldet hybride Codepoints.
  • openssl s_client -groups X25519MLKEM768 -connect ihre-domain:443 auf einem aktuellen OpenSSL bestätigt, dass der Server die hybride Gruppe tatsächlich akzeptiert.
  • Logging: Eine Stichprobe der Zugriffslogs (sofern TLS-Gruppen-Logging aktiv ist) zeigt, welcher Anteil der echten Besucher die hybride Verbindung nutzt.

Was Sie diese Woche tun sollten

  • Klären, in welcher der drei Konstellationen Ihre Website läuft.
  • Bei Cloudflare oder vergleichbarem CDN die Post-Quantum-Option aktivieren und dokumentieren.
  • Bei eigenem Webserver: OpenSSL-Version prüfen, ggf. Distribution aktualisieren, nginx/Caddy-Konfiguration anpassen.
  • Mit SSL Labs und einem Browser-Test verifizieren, dass hybrides X25519MLKEM768 ausgehandelt wird.
  • Ergebnis in der Inventur-Tabelle eintragen – diese Website ist ab heute mit “hybrid aktiv” markiert.

Fazit

Die eigene Website ist meist der erste Dienst, den ein Unternehmen vollständig in eigener Hand auf hybrides TLS-KEM heben kann. In den allermeisten Fällen ist das eine Frage von Minuten, in keinem Fall ein Projekt. Ab dieser Woche reden Browser und Ihre Domain quantenresistent miteinander – ein sichtbares, prüfbares Ergebnis Ihres Sprints.

Quellen

pqconsult: Ihre Partner bei der PQC-Migration

Wenn Sie nicht nur Ihre Website, sondern Ihre gesamte Web-Diensteklasse – Kunden-Portale, APIs, Webhooks – konsistent auf hybride TLS-Konfigurationen heben möchten, übernehmen wir Bewertung, Roll-out-Plan und Verifikation. Kontaktieren Sie uns für eine flächendeckende TLS-Härtung.

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